Fränkische Nachrichten

Revolutionär, Demokrat und Staatsmann
Von str

Die Biographie von Rudolf Geiger erinnert an das Leben des Deutsch-Amerikaners Carl Schurz Die Deutschen flechten ihren frühen Demokraten keine Kränze: Während die Literatur über die bei den Wilhelme und ihren Kanzler Bismarck Legion ist, muss man schon auf Jahrestage warten, damit man wieder etwas Neues über Friedrich Hecker, Gustav Struve, Robert Blum lesen kann.

Der Völkerrechtler Rudolf Geiger hat jetzt in einer fundierten Studie an einen der profiliertesten 48er erinnert: an Carl Schurz (1829 – 1906). Der in Bonn wirkende Carl Schurz beteiligte sich an der deutschen Revolution 1848/49 bis zum bitteren Ende. Fast: Denn durch eine abenteuerliche Flucht aus der kapitulierenden Festung Rastatt entzog sich der Zwanzigjährige der wahrscheinlichen Hinrichtung, die er als preußischer Untertan zu erwarten hatte. Berühmt wurde er durch die ebenso abenteuerliche Befreiung seines Lehrers und Freundes Gottfried Kinkel aus einem Spandauer Gefängnis, der wegen seiner Beteiligung an der demokratischen Revolution eine lebenslange Haftstrafe absitzen sollte. Das allein wäre Stoff für eine umfangreiche Biographie. Rudolf Geiger legt aber größeren Nachdruck auf die Zeit von Carl Schurz als l1amerikanischer Staatsmann“. Mit seiner Frau Margarethe wechselte Schurz im August 1852 aus dem Londoner. Exil in die neue Welt, die ihm eine neue Heimat werden sollte. Schurz ließ sich in Watertown (Wisconsin) als Rechtsanwalt nieder und kehrte in die Politik, nunmehr die der Vereinigten Staaten zurück. Schon bald wurde Schurz durch seine Rednergabe einer der führenden Vertreter der Deutschamerikaner zu jener Zeit der größten landsmannschaftlichen Gruppe in den USA.

Carl Schurz schloss sich der republikanischen Partei an und sorgte mit seinem Einsatz bei seinen Landsleuten für den Sieg von Abraham Lincoln. Im amerikanischen Bruderkrieg diente er als General auf Seiten der Nordstaaten. Schurz war Rechtsanwalt, Farmer, Journalist – vor allem aber Politiker, der es schließlich bis zum höchsten Wahlamt brachte, das ein nicht in den USA Geborener erreichen konnte: Er wurde Senator des Staates Missouri. Gleichzeitig war er ein Politiker, der durch seine manchmal rigorosen moralischen Ansprüche immer wieder in Gegensatz zu den Pragmatikern geriet.

Das führte auch dazu, dass er später die Abspaltung der unabhängigen Republikaner
von‘ der Mutterpartei organisierte und künftig Wahlempfehlungen an der Person festmachte. So unterstützte er zum Beispiel die Kandidatur des späteren Präsidenten Grover Cleveland, einen Demokraten. Zuvor allerdings war Schurz allerdings in der Präsidentschaft des Republikaners Rutherford B. Hayes Innenminister (1877 bis 1881).

Auch in seinen letzten Lebensjahren blieb Carl Schurz seinen demokratischen Prinzipien treu: Er wurde ein entschiedener Gegner des amerikanischen Imperialismus und seines mächtigsten Vertreters, des Präsidenten Theodore Roosevelt.

Mit Deutschland hatte Carl Schurz – wie viele 48er – seinen Frieden geschlossen. Die Reichsgründung von 1871 begrüßte er überschwänglich, vor dem Redaktionsgebäude der „Westlichen Post“ – einer der großen deutschsprachigen Tageszeitungen in St. Louis, deren Mitherausgeber er zu dieser Zeit war – ließ er aus diesem Anlass gar eine schwarz-weiß-rote Fahne aufziehen.

Mit Reichskanzler Otto von Bismarck verstand‘ er sich bei seinen Deutschland-Besuchen Ausgezeichnet. Allerdings übersah er dabei nicht, dass im Deutschen Reich nach wie vor keine demokratischen Prinzipien und Strukturen verwirklicht waren. Für ihn galt, nach einem Wort Abraham Lincolns, nur eine „Regierung des Volkes, mit dem Volk, für das Volk“ als legitimiert.

Die Vereinigten Staaten haben die Erinnerung an Carl.Schurz als einflussreichen Reformer und Mahner bewahrt. Das detailreiche und vor allem das Leben von Carl Schurz nach der gescheiterten Revolution in den Blick nehmende Buch von Rudolf Geiger kann dazu beitragen, dass sich auch Deutschland wieder an einen seiner profiliertesten Demokraten erinnert.


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