Süddeutsche Zeitung

Revolutionär und Minister
Rudolf Geiger legt Biographie von Carl Schurz vor

Als Carl Schurz 1852 mit dem Schiff den Hafen von New York erreichte, hatte der 23-jährige bereits eine bewegte Zeit hinter sich: Beteiligung an der Märzrevolution 1848, Kampf gegen die Reaktion, Befreiung von Gottfried Kinkel aus dem Gefängnis und eine abenteuerliche Flucht über London und Paris. In den USA wurde Schurz zum einzigen in Deutschland geborenenPolitiker vor Henry Kissinger, der Minister einer US-Regierung war.

Vom Leben des Mannes, der auf beiden Seiten des Atlantiks für Freiheit und Demokratie kämpfte und der einen wichtigen Platz in der Geschichte der deutschamerikanischen Beziehungen einnimmt, nahm lange kaum jemand in Deutschland Notiz. Mit der 2007 im Casimir Katz Verlag erschienenen Biografie „Der deutsche Amerikaner. Carl Schurz – Vom deutschen Revolutionär zum amerikanischen Staatsmann“ möchte der Germeringer Jurist Rudolf Geiger dies ändern. Von Schurz hatte er erstmals während des Unterrichts an einer High School gehört, die er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Austauschschüler im Mittleren Westen besuchte. „Es war mir damals eine große Beruhigung, als ich im Fach American History auch einmal von den Taten eines guten Deutschen erfuhr“, so Geiger. Nach seiner Emeritierung 2003 wollte er sich endlich wieder einmal etwas anderem als der Rechtswissenschaft widmen und entschloss sich, Schurz mit der Biografie zu mehr Popularität zu verhelfen.

In akribischer Kleinarbeit hat er dessen Lebenserinnerungen und die entsprechende Sekudärliteratur ausgewertet, er erzählt mit viel Liebe zum Detail von den Schauplätzen der großen und folgenreichen sowie der kleineren Begebenheiten aus dem Leben des früh politisierten Schurz. In fünf Teilen zeichnet Geiger das Bild einer Persönlichkeit, die keinen Stillstand kannte und bis zum Tod 1906 diese Ideale der deutschen Revolutionäre von 1848 in die politische Entwicklung der USA einfließen ließ. Schurz wandelte das bekannte Sprichwort „Right or wrong, my country“ ab, das auch in den USA zur Rechtfertigung der von ihm bekämpften imperialistischen Politik herangezogen wurde. Seine Version „My country, right or wrong; if right, to be kept right, if wrong, to be set right!“ beweist das Motto seines Lebenslaufs, den Geiger treffend und ausführlich dargestellt hat.

Sabine Trautmann


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