bwWoche

Ein Deutscher in Amerika
Von Dr. Alexander Schweickert
(Verlagsleiter beim Verlag Kohlhammer in Stuttgart)

Carl Schurz war 1848 Revolutionär und wurde später Staatsmann. Während der „Reichsverfassungskampagne“ kam es in Baden 1849 erneut zur Revolution. Fortschrittlich gesinnte Bürger, die sich vor allem in Südbaden formierten, waren bereit, für Freiheitsrechte und Demokratie zu kämpfen. Auf ihre Seite stellte sich – zuerst in Rastatt am13. Mai 1849 – das Militär in Baden, das gegen die menschenunwürdigen Bedingungen des Soldatendienstes rebellierte. Großherzog Leopold floh außer Landes und bat Preußen um Hilfe. Die Verbindung von Bürgern und Soldaten verschaffte der badischen Revolution hohes Ansehen und sorgte für den Zuzug nichtbadischer Revolutionäre.

Carl Schurz, Burschenschafter und Mitglied des Demokratischen Vereins in Bonn, und sein revolutionäres Vorbild Professor Gottfried Kinkel fanden sich nach der Niederschlagung des pfälzisch-bayerischen Aufstandes in der Bundesfestung Rastart wieder, in der „Zitadelleder Freiheit“. Franz Sigel musste mit seiner revolutionären badischen Armee über den Rhein in die Schweiz retirieren, sodass sich die Preußen auf die Belagerung von Rastatt konzentrieren konnten.

Der arme Carl Schurz, der in der Rheinprovinz geborene Preuße, eingekleidet in der Uniform eines badischen lnfanterieleutnants, ahnte, dass ihm die standrechtliche Erschießung drohte, wenn Rastatt kapitulierte. Durch einen Abwasserkanal gelang ihm die Flucht. Kinkel verurteilten die Preußen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe in Spandau. Durch Bestechung der Gefängnisbeamten vermochte es Schurz, ihn zu befreien und wurde dadurch zu einer europäischen Berühmtheit.

Nach dem Staatsstreich von Napoleon III. 1851 brach die Idee eines demokratischen Europa völlig ein. Schurz und seine Frau Margaretha wanderten nach Amerika aus. „Es isteine neue Welt, eine freie Welt, eine Welt großer Ideen und Zwecke“, schrieb er in seinen“Lebenserinnerungen“. Und an andrer Stelle nennt Schurz die Amerikaner „Anführer der Menschheit im Kampfe für Freiheit und Gerechtigkeit“.

Nachzulesen ist dies in der Biographie von Schurz, die Rudolf Geiger verfasste. Schwerpunkt des Buches bildet das politische Wirken von Schurz in den USA. Er zählt dort mit Rechtzu den großen Deutschen. Er trat in die 1854 gegründete Republikanische Partei ein, weil diese den Einwanderern rasche Aufstiegschancen versprach, und machte Karriere. Für seinen Freund Abraham Lincoln gewann er die Einwanderer aus Deutschland als Wähler. Aktiv nahmen die Revolutionäre aus dem „alten“ Deutschland am Sezessionskrieg teil: Franz Sigel als Kommandeur des 1. Corps der Nordstaaten, Schurz als Generalmajor der 3. Division dieses Corps. Die 3. Brigade dieser Division kommandierte der 1848er Friedrich Hecker. Militärischen Ruhm haben sich die „FortyEighters“ allerdings nicht erworben. Nach erfolgreich beendetem Bürgerkrieg wird Schurz als allgemein geschätzter Staatsmann Senator von Missouri und unter Präsident Hayes sogar Innenminister. Er blieb, wie Rudolf Geiger ihn beschreibt, eine grundsympathische Gestalt, ein Kämpfer gegen Parteienklüngel und Korruption, ein redlicher deutscher Republikaner in Amerika, der seine neue Heimat liebte und Gutes für sie tat. Ebenso wie seine Frau Margarethe: Sie gründete 1856 in Watertown,Wisconsin, den ersten Kindergarten in Amerika.


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